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Wüstenflieger auf Einkaufstour

Mit der größten Flugzeugbestellung der zivilen Luftfahrt hat Emirates aufhorchen lassen. Als nächster Schritt gilt die Übernahme einer ganzen Fluggesellschaft als möglich. Seid verschlungen, Milliarden! Ob Wolkenkratzer, Hotel, Moschee oder ein neuer Flughafen – was immer in den ölreichen Golfstaaten derzeit gebaut wird, kaum ein Projekt kostet weniger als eine zehnstellige Summe. So stampft das Emirat Dubai gerade ein Las-Vegas-Imitat aus dem Wüstensand. In Bawadi (Wüsten) sollen sich auf einer Länge von zehn Kilometern 31 neue Hotels aneinanderreihen – unter ihnen das Asia-Asia, das größte Hotel der Welt. Die Gesamtkosten: Geschätzt rund 100 Mrd. Dirham (rund 19 Mrd. Euro).
Doch selbst das wirkt bescheiden gegenüber den Plänen der nationalen Fluglinie Emirates. Für rund 35 Mrd. $ – gemessen an den Listenpreisen – hat die Airline vor wenigen Tagen die größte Flugzeugbestellung in der zivilen Luftfahrtgeschichte aufgegeben: Emirates orderte 143 neue Großraumjets bei Boeing und Airbus. Allein 58 Aufträge für den Riesenairbus A380 stehen nun beim europäischen Flugzeugbauer in den Büchern, mehr als bei jeder anderen Fluglinie. Zum Vergleich: Die Lufthansa kommt auf 15 Bestellungen.
Wenn Emirates das bisherige Wachstumstempo beibehält, dürfte das Unternehmen bis 2012 zur größten Fluggesellschaft auf Langstrecken aufsteigen. Zu den profitabelsten Airlines weltweit gehört sie jetzt schon: Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte Emirates bei rund 8 Mrd. $ Umsatz einen Gewinn von 844 Mio. $. Bis 2010 will die Airline die Zahl ihrer Flieger von derzeit 111 auf über 150 steigern.
Auch Wettbewerber aus Nachbarstaaten wie Qatar Airways und Etihad aus Abu Dhabi rüsten auf. “Der Airline-Sektor erlebt in den Golfstaaten einen Hype, der mit dem Internet-Hype in den USA und Europa vor einigen Jahren vergleichbar ist”, sagt Airline-Experte Gerd Pontius vom Beratungsunternehmen Prologis. “Alle Fluglinien setzen darauf, dass der Bedarf an Langstreckenflügen deutlich steigen wird.” Vor allem Ziele in Asien wie China und Indien böten große Wachstumschancen.
Ob der Bedarf jedoch tatsächlich groß genug sein wird, um all die bestellten Maschinen auch füllen zu können, ist umstritten. Angesichts der rasant wachsenden Flotten fürchten Branchenkenner in ein paar Jahren Überkapazitäten und in der Folge einen Preiskampf.
Um Lufthansa und anderen in Europa ernsthaft gefährlich zu werden, fehlt den Arabern aber ein Kurzstreckennetz für Zubringerflüge. Das aufzubauen wäre langwierig und teuer, weshalb immer wieder Spekulationen aufkommen, Emirates wolle bei einer europäischen Airline einsteigen – etwa Air Berlin. “Ein Börsengang von Emirates würde auf jeden Fall entsprechendes Kapital dafür generieren”, sagt Pontius. Für 2009 hat Emirates den Gang an die Börse angekündigt. Konzernchef Tim Clark schätzt den Wert des Unternehmens auf 20 bis 30 Mrd. $. Selbst wenn sich Dubai nur von einem Drittel der Anteile trennen will: Für einen größeren Shoppingtrip in Europa dürfte es reichen.

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